ssb - der trägerverein


ssb e.V.
im
tommy weisbecker haus
wilhelmstr.9
10963 berlin

fon/fax (030) 2512943

hallo nachbarn und nachbarinnen

zur übersicht: 40 jahre ssb - projektarchiv

HALLO NACHBARN UND NACHBARINNEN

Wir, das Thomas Weisbecker-Haus möchten euch mit dieser Zeitung über unser Haus, die Menschen die darin wohnen, über unsere Arbeit, unsere Hoffnungen, Ziele und Ideale informieren.

THOMAS-WEISBECKER-HAUS
Wilhelmstraße 9
1000 Berlin 61
Tel.: 2518539

Wo sind wir ? ----------------------
Wir wohnen und arbeiten in der Wilhelmstr. 9 . Es ist das einzige von seinen Bewohnern in Selbsthilfe sanierte Haus in der südl. Friedrichstadt. Ihr erkennt es schon an der von uns selbstgestalteten Außenfassade, die ein Stück unserer Geschichte, Meinung, Phantasie versucht nach außen zu dokumentieren.

Wer wohnt im Thomas-Weisbecker-Haus ? -----------------------------------------------------------
Wir sind eine Gemeinschaft, ein als gemeinnützig anerkannter Verein. (Sozialpädagogische Sondermaßnahmen e.V. ) Wir wohnen seit 21 Jahren, seit März 73 im Thomas-Weisbecker-Haus uns sind ca. 50 Personen. Wir hatten uns auf Grund gemeinsamer Interessen u. Probleme in diesem Verein zusammen geschlossen und im weitesten Sinne unsere Lebens, - Wohn, u. Arbeitsverhältnisse zu verbessern. Wir waren und sind heute bis auf die “Alten“ die dem Verein treu geblieben sind, Jugendliche und junge Menschen die zum großen Teil aus zerrütteten Elternhäusern, Heimen oder “von der Straße“ kamen. Wir wollten damals wie heute anstelle dieser Verhältnisse uns eine bessere Zukunft aufbauen.

Weil Staat und Eltern uns nicht helfen konnten oder wollten beschlossen wir uns selber zu helfen und suchten Wohnraum und Arbeit in dieser Stadt. Da wir als Jugendliche ohne Geld und Arbeit, ohne Wohnung überall auf taube Ohren stießen, besetzten wir das jahrelang leerstehende, bezirkseigene Haus in der Wilhelmstr. 9 um uns endlich einen gemeinsamen Lebensraum zu schaffen.
Polizei und Staat machten es uns in den ersten Jahren sehr schwer. Hausdurchsuchungen und Zerstörungen durch die Polizeieinsätze, keine langfristigen Mietverträge, zu wenig finanzielle Unterstützung brachten uns oft an den Rand unserer Kräfte und gefährdeten immer wieder unserer Existenz des gesamten Projektes. Doch durch harte Arbeit und Ausdauer konnten wir diese Angriffe überleben, uns gegen alle diese Widrigkeiten behaupten.
Was denkst du über uns ? -----------------------------------
Auch wenn wir nicht mit Schlips und Kragen, in teuren Klamotten rumlaufen oder dicken Autos rumfahren, dürft ihr nicht von unserer äußerlichen Andersartigkeit negativ über unsere Ziele, Absichten u. Arbeit denken. Unsere Ziele und Absichten sind sozial und politisch korrekt. Sicherlich haben auch wir große Probleme, aber keine ursächlich andern wie in jeder Familie, Gemeinschaft, oder Beziehung auftreten können.
Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit, Sozialhilfe, Alkohol+ Drogenprobleme, Gewalt in den Familien und auf der Straße sind Probleme, Krankheiten dieser Gesellschaft, dieses Staates, von denen wir uns versuchen zu befreien, Lösungen, Antworten und Alternativen zu finden. Toleranz und Akzeptanz von unseren Nachbarn, Mitmenschen und Politikern sind aber Voraussetzung, das wir überhaupt eine Chance haben.
Was stört dich an uns ? -----------------------------------
Die laute Musik ? Ja, zugegeben wir sind ein lauter, bunter Verein. Warum ist es bei uns lauter als in eurem Mietshaus? Weil: Bei uns Musiker wohnen und sie in unserem Haus Musik machen können ohne, das der Zimmernachbar gleich die Polizei ruft oder sich beschwert. Das bedeutet für unsere Musiker das sie in diesem Haus einen Platz gefunden haben, an dem es in dieser von Verkehrs, - Baulärm überfluteten Stadt, noch möglich ist Musik zukomponieren, auszuprobieren, Songs einzustudieren. Wir leisten damit einen sinnvollen Beitrag für den Erhalt von Musik und Kultur in dieser Stadt. 5 Bands finden bei uns Räume und Möglichkeiten für ihre Arbeit. Ein Leben ohne Musik wäre für jeden sehr langweilig? oder ? Also, bitten wir euch um Verständnis für unsere Musiker.

Was stört euch noch an uns ? ----------------------------------------
Das bei uns viele Menschen aus ganz Berlin in unserem Veranstaltungssaal einen Raum gefunden haben, in dem sie ihren Geburtstag, Abitur, Verlobung, Hochzeit, Diplomprüfung, Tanzen und feiern können? Und wenn es wirklich mal zu laut ist, denkmal bitte daran wie schwierig es ist noch in Berlin geeignete und bezahlbare Räume zu finden in denen mensch mal gut feiern kann. Und bevor du dann die Bullizei rufst, ruf doch bitte erstmal bei uns an, komm mal rum, rede mal mit uns. Das ist sicherlich der nachbarschaftlichere Weg. Also, ruf doch mal an : Cafe Linie 1 251 11 64
: Veranstaltungssaal 251 85 39
: Büro Mo-Fr
11-14 Uhr 251 29 43
Außerdem sind wir gerade dabei Geld zu sammeln um eine Lärmdämmung einzubauen.
Hilfe und Spenden können wir dafür noch gut gebrauchen. !!!
Wie finanzieren wir uns ? -------------------------------------
Jeder Hausbewohner hat ein eigenes Zimmer und zahlt dafür eine monaltliche Miete, Gas, Wasser, Strom, Müllabfuhr, Versicherungen, Hausreinigung, Ausbau u. Instandhaltung, Steuerberater und Anwalt werden aus diesen Mieteinnahmen bezahlt. Der Jugendsenat finanziert den Sozialarbeiter, den Hausmeister u. eine halbe Verwaltungsstelle. Zusätzlich eine Pauschale für Jugendarbeit von ca. monatl. 50 DM pro Person.

Tag der offenen Tür + Tag der offenen Tür ------------------------------------------------------------
Im September wollen wir ein Kinderfest auf unserem Innenhof und dem angrenzenden Park machen. Dazu laden wir alle Nachbarn mit ihren Kindern ein. Genaues Datum und Programm geben wir noch rechtzeitig bekannt.

3.Sep. 21.00 Uhr Lesung mit Klaus Farin
aus seinem neuen Buch „Die Scharfmacher“
Anschließend Disco

23.Sept. 21 Uhr
Chelsa (GB) & BAZOOKAS (HH)

30.Sept. 21.00 Uhr
OI! – POLLOI (UK) & POLICE BASTARD (GB)
1001 Dank an SO Heike

28. Okt. 21.00 Uhr
E.H. SUKARRA (EUSKATI)
& DIE TESTERS (BERLIN)

29. Okt. 21.00 Uhr
ANOTHER MAN`S POISON &
BLANC ESTOC (TÜBINGEN)

15.Nov. 21.00 Uhr
BITTER GRIN (CANADA) & GUESTS

Infos: 615 76 03

IHR SEIT ALLE HERZLICHST EINGELADEN!

MIT LIEBEN GRÜSSEN
EURE NACHBARN AUS DEM THOMAS WEISBECKER HAUS

Was ist konkret im Thomas-Weisbecker-Haus los??
: unser Cafe Linie 1 tägl. 16-4 Uhr 251 85 39
: unser Veranstaltungssaal Mo + Di 17-20 Uhr
251 85 39
: unsere Kiezküche – billiges und einfaches Essen
Mo – Do 18 – 21 Uhr
: Palästina Büro Mo + Di 17 – 20 Uhr
251 85 39
: Ökologische Linke Mi 19 Uhr
: Initiative gegen Mietwucher, Spekulanten und Hauptstadtwahn
Do 19 Uhr
: Asylberatung Do 17 – 20 Uhr
: Treberetage (Hilfe für in Not geratene Jugendliche
: Konzerte + Discos Fr + Sa
: Kung Fu Mo – Sa 13 – 15 Uhr + 19 – 21 Uhr
Dachetage 251 87 23

Was haben wir bisher erreicht ?
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Wir haben es trotz aller Schwierigkeiten in den vergangenen 21 Jahren geschafft Wohnraum und Arbeitsplätze zu schaffen.
Um den täglich zu uns kommenden, in Not geratenen Jugendlichen eine mindestmögliche Hilfe, Beratung zur Legalisierung, Behördenkontakte und finanzielle Unterstützung zu ermöglichen, beschäftigen wir einen Sozialarbeiter (Andy), einen Hausmeister (Otto) und eine Verwaltungskraft (Adel).
Wir haben in den vergangenen 21 Jahren folgende Projekte in Selbsthilfe aufgebaut :

: das Jugendzentrum Drugstore (Pottsdamerstr.)
: das Thomas – Weisbecker – Haus (Wilhelmstr.)
: die KFZ – Werkstatt (Schönebergstr.)
: die Tischlerei (Körtestr.)
: das Jugendwohnprojekt in der (Mansteinstr.)
: das Kinderferien + Tagungshaus Wernsdorf

Berlin ist Hauptstadt geworden – Bonn zieht um - nach Berlin!
Nach dem Willen der Hauptstadtplaner/Wohnungs- und Grundstücksspekulanten wird hier unser Kiez, die Südliche Friedrichstadt, Teil des zukünftigen Regierungsviertels und Dienstleistungszentrums.
Für uns, die hier seit Jahrzehnten wohnen, wird das unangenehme Folgen haben:
1.Baulärm und Verkehrsbehinderung
2.Grünflächen und Spielplätze werden zugunsten der Partei- und Regierungsgebäude bzw. Großkonzern vernichtet.
3.Partei – und Regierungsbeamte werden einen großen Teil unserer Parkplätze beanspruchen.
4.Die Überwachung und Sicherung der Partei- und Regierungsgebäude und deren Dienstwohnungen kann uns in unserer Freiheit einschränken, z.B. durch Beobachtung und Überwachung der Privatspähre durch Zivilfahnder, Personenkontrollen, Personalienüberprüfung, politische Überprüfung der AnwohnerInnen, Bannmeile und Gebietssperrungen.
5.Wohnungsspekulanten werden die Entwicklung zum Regierungsviertel ausnutzen wollen, um die Mieten für normale ArbeiterInnen und Angestellte und erst recht für Arbeitslose, SozialhilfeempfängerInnen und RenterInnen in unbezahlbare Höhen zu treiben.
6.Räumungsklagen, sozialer Abstieg, Ghettoisierung in Trabantensiedlungen können die Folgen sein.
Um das zu verhindern, müssen die BewohnerInnen der Südlichen Friedrichstadt ihr Recht auf Wohnung, bezahlbare Mieten, Mieterschutz, den Erhalt und Ausbau unserer Grünflächen, Spielplätze und Sozialprojekte laut und deutlich machen.
WIR HABEN EIN MITSPRACHE - UND MITENTSCHEIDUNGSRECHT.
Die Bewohner des Thomas-Weisbecker-Hauses leben seit 20 Jahren hier in der Wilhelmstr. 9. Sie haben dort Wohnraum, Arbeitsplätze, Freizeit- und Kulturprojekte aufgebaut. Sie wollen sich nicht verplanen oder vertreiben lassen. Jede Bau- und Stadtplanung muss sich den AnwohnerInnen anpassen, nicht umgekehrt!!! Wir, die hier leben, müssen selbst über unseren Lebensraum entscheiden können. Das Thomas-Weisbecker-Haus ist nicht in der Lage und nicht bereit, durch die Hauptstadtentscheidung hervorgerufene Bodenspekulation, insbesondere im Bereich um die Friedrichstraße, die daraus resultierende Mietsteigerung zu bezahlen. Die zu erwartenden unbezahlbaren Mieten würde die Vernichtung ihrer Wohn- und Arbeitsplätze bedeuten. Dies gilt natürlich auch für die anderen Jugend- und Sozialprojekte, die Wohnungsmieter und Kleingewerbemieter.

GEGEN MIETWUCHER UND HAUPTSTADTSPEKULANTEN
FORDERN WIR MIETERSCHUTZ UND MIETPREISBINDUNG

Absender: Thomas-Weisbecker-Haus

Thomas-Weisbecker-Haus
Öffentliche Erklärung

Wir haben ein Recht auf Lebensraum, der respektiert und akzeptiert wird. Wir haben das Recht, als Gemeinschaft zusammen zu leben. Wir haben das Recht, unser Leben so zu organsisieren, wie wir es für gut und richtig finden.
Darum haben wir auch ein Recht, dafür zu kämpfen, unsere Freiheit zu verteidigen. Wir haben ein Recht auf eine Welt ohne Krieg, Rüstungswahnsinn, Armut, Unterdrückung und Umweltkatastrophen.
Wir haben ein Recht, in unseren Projekten für diese Ziele zu kämpfen. Unsere Häuser, Arbeits- und Kulturprojekte gehören uns.
Wir haben sie uns erkämpft, erobert, besetzt, befreit, aufgebaut und ausgebaut. Es sind unsere Freiräume, Inseln, Burgen, in denen wir versuchen, unseren Traum, unser Ideal zu verwirklichen, zu erleben. So weit es die politischen Verhältnisse in diesem Staat zulassen.
Darum ist jeder Angriff, jede Einschränkung und Behinderung auf unser Haus, unser Kollektiv, ein Angriff auf unsere Freiheit, unsere Lebensvorstellungen, unser Lebensrecht. Darum verurteilen wir (und die hier Anwesenden) jeden Versuch, durch den westberliner Senat und sonstige Vereinigungen, unsere Lebensbedingungen zu verschlechtern, notwendige finanzielle Unterstützung zu entziehen oder unsere Häuser und Projekte zu zerschlagen.

DIESES HAUS GEHÖRT UNS UND SO WIRD ES AUCH BLEIBEN
WIR WERDEN ES MIT ALLER ENTSCHLOSSENHEIT UND HÄRTE VERTEITIGEN UND FORDERN ALLE MENSCHEN AUF, UNSER RECHT AUF FREIE SELBSTBESTIMMUNG UND SELBSTVERWALTUNG GEMEINSAM MIT UNS ZU VERTEIDIGEN !!!

Ein neues Projekt stellt sich vor:

Unser Gelände hat eine Größe von knapp 1,5 ha. Es gibt eine große Spielwiese und einen Zeltplatz.
Im Gebäude stehen Übernachtungsmöglichkeiten für maximal 50 Personen zur Verfügung. Die Unterbringung erfolgt in 2-, 3- und Mehrbettzimmern.
Eine Selbstversorgerküche steht Euch bereit; auf Wunsch und nach Absprache (für Gruppen ab 20 Personen) bieten wir auch Vollverpflegung an.
Neben einem Speise- und Aufenthaltsraum können wir einen großen Seminarraum, ein Kinderspielzimmer und einen Sport-/ Mehrzweckraum anbieten.

Wo wir uns befinden :

Wernsdorf liegt am südöstlichen Stadtrand von Berlin, die Entfernung zum Stadtzentrum beträgt 35 Kilometer. S- Bahnanschlüsse gibt es jeweils ca. 8 Kilometer Entfernung in Erkner und in Grünau.
Unser Gelände befindet sich am Ortsrand von Wernsdorf, umgeben von Wald und in unmittelbarer Wassernähe. Zum Baden gibt es reichlich Gelegenheiten, ein Bootsverleih steht im Ort zur Verfügung und ein Ponyhof bietet nicht weit entfernt günstige Reitmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche.
Ein reichhhaltiges Angebot an Informationen und Kursen zu alternativen Formen der Energiegewinnung gibt es im Ökologischen Zentrum Kesselberg, unseren unmittelbaren Nachbarn.
Im Naturschutzgebiet Gosener Wiesen, eine halbe Stunde Fußmarsch von uns entfernt, werden von verschiedenen Naturschutzgruppen interessante Exkursionen angeboten.

Unsere Preise :

18,- DM pro Person für Übernachtung
33,- DM pro Person für Vollverpflegung

Bettwäscheverleih 4,- DM
mit Unterstützung von : NETZWERK
Netzwerk Selbsthilfe e.V., Gneisenaustr. 2, 1000 Blz. 61, Tel. 691 30 72



veröffentlicht durch:
T ommy W eisbecker H aus
projektarchiv, ssb e.v.
mit hilfe von: chrysantemum

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